Stellungnahme von griechischen AnarchistInnen & Internationaler Aktionstag des Widerstandes
Die folgende Stellungnahme wurde herausgegeben von einer Gruppe griechischer AnarchistInnen und Antiautoritäre aus den südlichen Vororten von Athen. Das ist in dem Gebiet (Ag. Dimitrios), wo es die Übernahme des Rathauses gegeben hat. Die Übernahme, inzwischen von zweitägiger Dauer, (Stand 13.12.) hat nennenswerte lokale Unterstützung erhalten. Den Abend zuvor wurde eine Versammlung von 300 Menschen aus der Bevölkerung besucht. Die Übernahme wurde auch unterstützt durch eine Stellungnahme des Zusammenschlusses der Angestellten des Rathauses von Ag. Dimitrios und viele dieser Angestellten helfen das Rathaus vor einem Polizeiangriff zu schützen.
Stellungnahme der AnarchistInnnen
Am
Abend des 6. Dezember 2008 zog ein Mörder seine Pistole und richtete
kaltblütig einen Bürger hin, Alexandros. Das Tragischste an diesem Mord
ist, dass der Mörder, Polizeibeamter von Beruf, einen 16-jährigen
Jugendlichen tötete.
Der Vorfall lief in Exarhia ab, an der
Kreuzung zwischen Tzavella und Mesologgie Straße. An einem Platz, wo
jeder von uns gewesen sein könnte. Die Augenzeugen des Vorfalls sagen
aus, dass dem Mord ein einfache verbale Auseinandersetzung vorausging.
Aber der griechische Macho-Mörder konnte die Beleidigungen nicht
aushalten und zog die Pistole. Die Hinrichtung war kaltblütig.
Dieser
Mord ist weder ein Unfall, noch ein isolierter Vorfall. Es ist einmal
mehr ein Bindeglied zu einer endlosen Serie mörderischer Angriffe
verschiedener Polizeiabteilungen.
Lasst uns nicht den Mord an
den pakistanischen Immigranten in der Petrou Ralli Street vergessen,
als er in einer Schlange stand, um Asyl zu erbeten. (eine Schlange, die
der Staat ihm selbst zugewiesen hat) Anmerkung: Vor einem Ausländeramt
attackierte die Polizei Immigranten, ein 24 jähriger wurde tödlich
verletzt) Lasst uns nicht vergessen, dass neulich eine Frau in Leukimmi
ermordet wurde, während einer Aktion der MAT (griechische
Polizeieinheit zur Aufstandsbekämpfung) gegen Protestierende gegen die
XYTA Mülldeponie. (Ein 16-jähriger Motoradfahrer wurde mit
Polizeiknüppel geschlagen, er verlor die Kontrolle über sein Fahrzeug
und fuhr eine 43jährige schwangere Frau um. Sie erlag einige Tage
später ihren Verletzungen erlag) Bedauerlicherweise ist diese Liste
endlos. Lasst uns nicht die Folter durch Polizeibeamte auf den Revieren
und in Gefängnissen vergessen. Lasst uns nicht den mörderischen Einsatz
von Ordnungmitteln, wie Tränen- Gas-, Blendgranaten, Schlägen und
Schüssen bei Auseinandersetzungen vergessen, die während Streiks,
Studenten - und lokalen Aktionen stattfanden. (Es ist nicht lang her
als die Polizei das komplette Gebiet rund um dass KYT
(Hochspannungswerk) abriegelte und gnadenlos NachbarInnen von uns
zusammenschlug. Das ist ihre Aufgabe! Zusammenschlagen und Morden!
Lassen wir uns nicht täuschen, dass es ihnen gelingt mit ihrer Parole
durchzukommen „Wir und die Bosse sind das Gesetz, wer dagegen
Widerstand leistet wird erbarmungslos zusammenschlagen.
Wer
sind ihre Chefs? Sind es vielleicht die Aktionäre der Banken? Ist es
der Präsident der Industrie- und Handelskammer? Sind es vielleicht die
Aktionäre der Warenhausketten? Sind es vielleicht all die, die mehr
Arbeit von uns verlangen, für weniger Geld und weniger Sicherheit? Sind
es vielleicht die, die profitieren, sowohl von uns und von den
Produzenten- durch Preise, die sie in den Supermärkten festlegen. Sind
es die, die in fetten Jahren riesige Profite einstreichen und in
härteren Zeiten die ArbeiterInnen entlassen und Löhne kürzen. Gut, dann
ist es nur logisch, dass sich der Aufstand der Bevölkerung sich gegen
die genannten Profiteure richtet. Sie reden über Materialschäden,
während wieder einer mehr tot ist. Wenn Privateigentum, die einzige
Sache ist, die sie interessiert, dann sind die, die sich auflehnen im
Recht. Wir müssen begreifen, dass falls dieser Horror nicht auf das
Gewissen Einfluss nehmen kann, der Geruch des Verbrannten notwendig
ist.
Ist es möglich inmitten dem sich entwickelndem Aufstand,
keine Stellung zu beziehen? Können wir auf der Seite derer stehen, die
immer für Ordnung und Ruhe eintreten? Für die sogar während der
Nazi-Besetzung und der Junta die einzige Sache war an ihre eigenen
Belange zu denken und einfach ihr eigenes Leben zu leben. Die immer nur
überall Provokateure erkennen von „unbekannten Bekannten“ sprechen? Die
immer Verschwörungen hinter sozialen Bewegungen erkennen, die sie nicht
kontrollieren können, gewohnt Anführer hinter geschlossenen Türen zu
sein? Lasst uns nicht täuschen, dass jedes Mal die Ereignisse nur die
„Streikenden“, die StudentInnen, oder „Jugendliche“ angehen. Diese Tage
sind die Leute auf den Straßen, ohne zentrale Verwaltung,
Unterrichtende oder erleuchtete Vortrupps
Jeder am Aufstand
Beteiligte entscheidet frei über den Einsatz der Mittel. Das betrifft
uns genau so wie die BewohnerInnen von Exarhia, die sich der
sogenannten „Katz und Maus“- Fehde zwischen Anarchisten und Polizisten
gegenübersahen und die sich positionierten. Das Wochenende über warfen
sie Blumentöpfe von ihren Balkonen und verlangten den Rückzug der
MAT-Einheiten und die Einstellung chemischer Kampfmittel (z.B.
Tränengas) Sie bezogen Position, Sie nahmen einen Standpunkt ein gegen
die staatliche Repression. Deshalb müssen alle von uns Stellung
beziehen. Wir müssen aktiv unsere Verweigerung dem sich im Aufbau
befindlichen Terrorregime und Polizeistaat entgegensetzen.
Kein staatlicher Mord bleibt unbeantwortet!
Freiheit für alle, die gefangen genommen wurden
Ruhig zu bleiben bedeutet Mittäterschaft!
20.12.2008: Internationaler Aktionstag des Widerstandes
Am Freitag, den 12.12.2008, entschied das Plenum der besetzten Polytechnic in Athen zu einem internationalen Aktionstag des Widerstandes im Gedenken an alle getöteten Jugendlichen, Migrant_innen und all jene, die gegen die Fehler der Staaten gekämpft haben, aufzurufen. Carlo Juliani, die Jugendlichen in den Banlieus Frankreichs, Alexandros Grigoropoulos und all die ungezählten anderen, überall in der Welt.
Unsere Leben gehören nicht den Staaten und ihren Mördern!
Das Gedenken an all unsere ermordeten Schwestern und Brüder,Freundinnen
und Freunde, Genossinnen und Genossen bleibt durch unsere Kämpfe am
Leben!
So wie wir sie nicht vergessen, so vergeben wir auch nicht ihren Mördern!
Bitte übersetzt diesen Aufruf für einen gemeinsamen Tag organisierter
Aktionen des Widerstandes in so vielen Orten in der Welt wie möglich!
20.12.2008: Auf den Strassen!
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We don't forget, we don't forgive - day of internationa action against state murders, 20.12.2008 |
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