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Naomi Archer alias Ana Oya Ametz

by Tahya El-Hurriya — last modified 2009-07-09 12:47

Während ihrer Europareisen hat Archer sich als indigene Person ausgegeben; möglicherweise war sie nur nicht sooo genau in ihrer Beschreibung, inwiefern sie indigen sein möchte, d.h. 'indigene Europäerin', und da sie über Hurrikanhilfsarbeit und indigene amerikanische Themen spricht, wird sie von einigen Veranstaltern in Europa als 'indigene Amerikanerin' präsentiert. Hier ist ein Beispiel dafür:

Naomi Archer alias Ana Oya Ametz

Naomi Archer

http://absolutartist.de/HofNao

[quote]Vortrag von Naomi Archer "Die Welt aus der Sicht der Nordamerikanischen
Ureinwohner"
Dienstag l 07. August l 19.00 Uhr l HofGalerie

Naomi ist Aktivistin für die Rechte der indigenen Völker in den USA und
Leiterin des Four Directions Solidarity Network, das den Dialog zwischen
verschiedenen Kulturen fördert und sich für die Erhaltung heiliger Stätten und
ein nachhaltiges Verhältnis zwischen Mensch und Natur einsetzt. Ferner ist
Naomi Adoptivmitglied der Cante Tisa, der traditionellen Strongheart Warrior
Society der Teton Oglala Lakota Nation. Auf ihren Reisen bemüht sie sich um
die Mobilisierung solidarische Unterstützung für die Strongheart. Bei ihrem
diesjährigen Besuch in Magdeburg wird sie unter anderem von der Versammlung
indigener Einwohner beim US Sozialforum berichten, das Ende Juni in Atlanta,
Georgia stattfand.[/quote]

Ihre neue Webseite bietet nicht viel an Inhalten, aber es gibt ein paar Sätze
zu ihren angeblichen Vorfahren:

http://www.iladurarrak.org/history.html

[quote]Lebendige Geschichte der Iladurrarak und Unserer Vorfahren

Erschaffung: Unsere Entstehung

Unsere Entstehungsgeschichte ist eine heilige erfahrungsbedingte Zeremonie und
kann auf einer Webseite nicht mitgeteilt werden.

Zahar Asabak, Unsere Frühen Vorfahren: 40.000 bis 15.000 v.u.Z.
Vor über 40.000 Jahren gingen unsere frühen Vorfahren auf den eisbedeckten
europäischen Kontinent und nahmen eine Lebensweise auf, die für zehntausende
von Jahren überlebte und massive Klimaveränderungen überstand, bevor sie von
außen erheblich beeinträchtigt wurde. Da sie in den wärmeren südlichen
Regionen des Kontinents lebten, wo Steppe und Taiga dominierte, sind unsere
frühen Vorfahren verantwortlich für den Anfang der berühmten europäischen
Traditionen der Höhlenmalerei und des Schnitzens von 'Venus'-Figuren.

Genese der Iladurarrak: 15.000 bis 10.000 v.u.Z.
Vor cirka 15.000 Jahren begannen die wirklichen kulturellen Wurzeln der
Iladurarrak. Zu dieser Zeit waren unsere Vorfahren hauptsächlich Pferde- und
Karibujäger, obwohl auch Bison, Auerochsen, Vögel und Fische als Nahrung
dienten. Die kulturellen Überreste, die in Mutter Erde überlebten (und die
nicht gestört werden sollten) reflektieren, daß unsere Vorfahren vornehmlich
auf Pferd und Karibu als Nahrung, für ihre Behausungen, Werkzeuge und alle
Aspekte ihrer Lebensweise zurückgriffen.

Migrationen und Reisen: 10.000 bis 4.000 v.u.Z.
Um 10.000 v.u.Z. Zogen sich die Gletscher und das kalte Wetter der Eiszeit
zurück. Steppe und Grasland und große Karibuherden und Pferde zogen sich auch
nach Norden zurück und machten Platz für Birken- und Kiefernwälder, aus denen
dann Eichen- und Ulmenwälder wurden, in denen Rotwild, Wildschweine und
kleineres Wild lebte. Der Verlauf der Küste änderte sich und die große
Landmasse, die Britannien mit dem nordwestlichen Europa (häufig Doggerland
genannt) verband, wurde mit steigendem Meeresspiegel überflutet.

Für die Iladurarrak, die Vorfahren, war dies eine Zeit großer Veränderungen,
da einige Gruppen wegzogen, um den Rentieren und Pferden nach Norden ins
Gebiet des heutigen Skandinavien zu folgen, einige zogen auf die Britischen
Inseln, andere verblieben in den kontinentalen Wäldern. Wieder andere, wie die
Iladurarrak, zogen nördlich zur Küste und wurden Jäger und Fischer, die im
Meer und den Küstenflüssen fischten. Unsere Lebensweise, die zwar immer noch
die vorherigen Jahrtausende reflektierte, änderte sich jedoch auch und
dokumentierte unsere Abhängigkeit vom Wasser.

Mit dem Rückzug der Eiszeit und milderem Wetter wurde der europäische
Kontinent für Händler und Reisende zugänglicher. Während dieser Zeit hatte
unser Volk Kontakt mit anderen Kulturen, darunter auch die indo-europäischen
(IE) Bauern des Südostens, den nördlichen Finno-Ugrieren und den mediterranen
Kulturen weiter im Süden.[/quote]

Offenbar hat Archer nicht nur ihren Namen geändert, sondern auch den ihrer
angeblichen Vorfahren. Auf jeden Fall ist es unerheblich, ob sie nun
behauptet, „Moaene“ oder „Iladurarrak“ zu sein – wenn man diese Begriffe
googelt, befinden sich bei den Suchergebnissen nur ihre eigenen Webseiten und
Blog/Foreneinträge, die Archer selbst verfaßt hat. Stämme oder Völker mit
diesen Namen sind allen anderen, die sich mit europäischer Frühgeschichte
befassen, unbekannt. Das Wort „moaene“ scheint noch nicht einmal baskisch zu
sein (Archer behauptet, die Iladurarrak hätten eine dem Baskischen verwandte
Sprache gesprochen und benutzt gerne baskische oder ähnlich klingende Worte),
da viele der angezeigten Seiten offenbar in slawischen Sprachen verfaßt sind.
Um es zu wiederholen: weder Moaene noch Iladurarrak sind bekannte Namen
ethnischer Gruppen im Europa der paläolithischen oder mesolithischen Zeit, und
Seiten, auf denen sich diese Behauptungen finden, sind entweder Archers
eigene, oder gehören Personen, die Archers Unsinn nacherzählen oder
Veranstaltungen mit Archer bewerben.

Hier ein Beispiel für die letztgenannte Kategorie:
http://www.newfrontier.com/asheville/past-virato-live-2007.htm

[quote]Heute morgen ist die Direktorin des Four Directions Solidarity Network
bei Virato zu Gast. Dies ist eine Basisbewegung von indigenen und nicht-
indigenen Personen, die aus den vier Richtungen zusammenkommen, um
traditionelle indigene Kultur zu bewahren, die Gesundheit der Elders und der
traditionellen Bewahrer zu unterstützen sowie die Mittel bereitzustellen, die
uns zu einer nachhaltigen Beziehung mit unseren Verwandten und unserer Mutter,
der Erde, zurückbringen.

Wir sprechen nicht nur über indigene Amerikaner, wir werden alle indigenen
Stämme diskutieren, darunter auch die indigenen Europäer, die als Iladurarrak
oder Moaene bekannt sind, was „heiliges Mondvolk“ heißt.
Die Iladurarrak waren halb-nomadische Stämme von Jägern und Sammlern, deren
Vorfahren für mehr als 40.000 Jahre eine reiche Kultur und Gesellschaft in
Teilen des europäischen Kontinents entwickelten, bevor sie den besser
bekannten proto-keltischen, keltischen und nordischen Kulturen weichen mußten.
Sie sind eine Familie im größeren Komplex der paläo-mesolithischen Stämme, die
sich von der iberischen Halbinsel in den Westen bis ins östliche Russland
ausdehnten.

Nun, nach langer Zeit des Schlummers, kehren die Iladurarrak zurück, da Völker
des europäischen Erbes aufgerufen sind, die Lebensweisen ihrer Asaba, ihrer
Vorfahren, während dieser großen Zeit der Veränderung wieder aufzunehmen. Hou!
Hou![/quote]

Bei Virato handelt es sich um eine Person, die eine Radiosendung macht – seine
Gästeliste liest sich wie ein Who-is-who der esoterischen Szene. Wenn Archer
also *dort ernst genommen wird.... (Und übrigens bin ich doch sehr erstaunt
über dieses „Hou! Hou!“, das Archer in ihren Texten so gerne verwendet – es
hört sich wie eine schlechte Imitation von grunzenden Hollywood-Indianern an.)

Als Archer vor einiger Zeit versuchte, sich dem Projekt NAFPS [New Age Frauds
and Plastic Shamans] anzuschließen, wurde dort herausgestellt, daß ihre
Behauptungen über ihre Abstammung von bzw Zugehörigkeit zu einem prä-
indoeuropäischen Volk reine Fiktion und Unfug ist. Ihre frühere Webseite
„intuitivepath.org“ verdeutlichte schon, daß Archer Fakten durch Intuition
ersetzte. Es handelt sich bei ihren 'Lehren' über ihre angeblichen Vorfahren
aus der Älteren und Mittleren Steinzeit um keine archäologisch oder
frühgeschichtlich gestützten Erkenntnisse, sondern offenbar gänzlich um
„intuitiv“ aus dem Bauch heraus präsentierte Vorstellungen über steinzeitliche
europäische Lebensweisen, angereichert nicht nur mit etlicher Verklärung,
sondern auch mit einigen Versatzstücken realer indigener Kulturen, die teils
durch die Newage-Brille verzerrt einfließen. Auf der mittlerweile nicht mehr
existenten Seite „intuitivepath.org“ bot Archer außerdem ihre Dienste als
Schamanin der 'Iladurarrak' an.

Das von Archer genannte Datum 40.000 v.u.Z. trifft zufällig mit dem Beginn der
allmählichen Einwanderung des modernen Homo sapiens sapiens nach Europa
zusammen. Archer möchte offenbar ihre angebliche Abstammung aus dieser ersten
Migrationswelle herleiten. Mit der Behauptung, ihr Volk sei zwischen 15.000
und 10.000 v.u.Z. entstanden, gehen wir immerhin ins Paläolithikum zurück –
während HistorikerInnen, ArchäologInnen etc. zwar Artefakte der Bewohner
Europas aus dieser Zeit fanden, haben sie jedoch [b]keine[/b] Möglichkeit,
daraus auf Ethnien rückzuschließen, denen diese Menschen angehörten, oder auf
von diesen Menschen gesprochenen Sprachen. Dasselbe gilt für den folgenden
Zeitraum, das zwischen 9.600 und 4.500 liegende Mesolithikum, in dem Archer
das angebliche Volk der Iladurarrak sich in abgelegene Gebiete Europas
zurückziehen sieht. Die gefundenen Artefakte erlauben weder Aussagen über die
Ethnizität ihrer Hersteller, noch über deren Sprache(n) oder die von ihnen
praktizierten Religionen.

Archer bringt diese angeblichen Iladurarrak mit den Basken in Europa in
Verbindung. Die baskische Sprache ist tatsächlich einzigartig und eine
isolierte Sprache, da es keine bekannten verwandten Sprachen gibt. Es ist
jedoch nur [b]eine[/b] Theorie, daß die heutigen Basken ein Überrest einer
frühen und seinerzeit weitverbreiteten europäischen Bevölkerung sind, die
nicht bewiesen ist und auch schlechterdings bewiesen werden kann. Es ist
ebenfalls nur [b]eine[/b] Theorie zur frühen europäischen Bevölkerung, daß
damals baskische bzw. dem Baskischen verwandte Sprachen in ganz Europa
gesprochen wurden, bevor die Migration indo-europäisch sprechender Völker
einsetzte.

Alles in allem legt Archer eine Menge Unfug vor, den sie offenbar aufsetzt, um
ihre Behauptung, sie sei „indigen“, zu unterstützen. Sie ist um nichts indiger
als ich. Dies ist jedoch nicht ihr einzige Strategie, sich als indigen
auszugeben (vgl. weiter unten).

Hier ist Archers Profil im tribe.net – insbesondere die Liste der Gruppen,
denen sie beigetreten ist:
http://people.tribe.net/ee7ae9ce-2775-4987-8fd5-b7cf8f408c47

[quote]Tribes
* Basque Pride *,
American Indian(Native American)Original,
Asheville, NC,
foot in two worlds,
Outdoor Educators,
queer anarchists,
queer pagan,
Secret Life of Plants,
Shaman,
Shamancircle,
Shamanic Society,
Shamanic women,
Shamanism,
Sustainable Practices and Technology,
Voices of Earth/Na Leo o ka 'Aina,
Year 2012,
٭ medicine wheel ٭ [/quote]

Vielen dieser Gruppen liegt eine New-Age-Thematik zugrunde; allein fünf
befassen sich mit Schamanismus. Es gibt zwei Threads in der 2012-Liste, in
denen Archer ein paar weitere Details über ihre angeblichen Vorfahren nennt:
http://2012.tribe.net/thread/8a4fb076-1333-4ceb-aeb1-e4e2534b4ca8

http://2012.tribe.net/thread/7d5dda67-77e5-48ba-bd24-00bb2b938d34

Folgend ein Link zu einem neueren Profil, das Archer by myspace
veröffentlichte. Offenbar möchte Archer mit einem passenderen Namen versehen
sein und nennt sich jetzt „Ana Oya Ametz“ - 'ihrer' Pseudo-Sprache entnommen.
Auch nicht zu übersehen ist die von Archer hierbei aufgenommene Anleihe beim
Baskischen sowie bei indigenen amerikanischen Namen (vgl ihre Übersetzung
dazu). Nochmals: hätte Archer wirklich eine prähistorische Sprache aus dem
paläo- bzw. mesolithischen Europa entdeckt und könnte diese sogar sprechen,
würden Wissenschaftler aus der gesamten Welt an ihre Tür klopfen und ihr zu
Füßen liegen.

Archer stellt uns jedoch lediglich ein paar Fantasien über die paläo- und
mesolithische Bevölkerung Europas vor und verwendet ein paar baskische oder
ähnlich klingende Worte, mit denen sie ihre Behauptungen stützen möchte.

http://www.myspace.com/tzorihou

„Epa! Ich heiße Ana Oya Ametz, was in meiner Sprache grob übersetzt „Träumt im
Wald“ bedeutet. Mein englischer Name ist Naomi Archer.

„Ana“ ist ein uraltes Wort, für das es im Englischen kein Äquivalent gibt. Es
ist eine Verwandtschaftsbezeichnung zwischen „Schwester“ und „Bruder“.
Indigene Menschen nennen dies „two spirit“ oder „whole spirit“.

In diesem Geist gehe ich demütig meinen Weg durch Nebeneinanderstellen des
Modernen und des Uralten – höre die Stimmen meiner Iladurarrak-Vorfahren und
unserer Alten Wege – lerne erneut, was es bedeutet, indigen in einer Heimat
und bei einem Volk zu sein.

Ich lebe zur Zeit in North Carolina/USA, reise aber regelmäßig nach Europa, um
die indigene europäische Kultur mit Einzelpersonen und Gruppen durch
Weitergabe zu teilen, auf dem Land zu gehen, und Zeremonien für das
Wiedererwachen meines Volkes und von Haiza Herria – das Land des Windes –
durchzuführen! Ich arbeite daran, das Jahr 2009 zu dem Jahr zu machen, in dem
ich endgültig heimkomme. Hou! Hou!

Ich arbeite auch mit anderen Mitgliedern meiner indigenen Familie –
hauptsächlich auf Turtle Island (Nordamerika) – um für indigene Rechte und die
Erhaltung/Erneuerung der traditionellen Lebensweise zu kämpfen, die uns stark
erhält. Ich gründete das Four Directions Network und ich bin Mitglied der
Cante Tenza [sic] – des Strongheart Kriegerbundes der Lakota. Ich unterstütze
ebenfalls die Souveränität der Lakota Oyate, der freien Lakotanation. Ich tue
diese Arbeit für das Volk, Unsere Vorfahren, für künftige Generationen und für
Amalur, Mutter Erde.

Es gibt zwei Dinge, die ich mich immer bemühe zu berücksichtigen. Erstens:
Freiheit ist nichts, das einem gegeben wird, sondern das, was man in seinem
eigenen Herzen selbst behauptet. Zweitens: Befreiung wird aus gutem Grund ein
Kampf genannt.[/quote]

Zunächst hatte Archer noch behauptet, sie sei von den Cante Tinza
[b]adoptiert[/b], während sie mittlerweile volles Mitglied der Cante Tinza
sein möchte. Die Cante Tinza sind ein traditioneller Kriegerbund der Lakota,
der keine Adoptionen vornimmt. Adoptionen können nur von Familien oder
Einzelpersonen vorgenommen werden. Es ist in der Newage-Szene recht häufig,
daß Europäer und Euro-Amerikaner vorgeben, „in den Stamm“ durch Adoption
aufgenommen worden zu sein. Hierzu ist anzumerken, daß eine Adoption auf
Stammesebene den Konsens des gesamten Volkes benötigt. Auch aus diesem Grunde
ist z.B. bei den Lakota keine solche Adoption erfolgt. Die Adoption durch eine
Familie oder Einzelperson verleiht dem Adoptanten außerdem keine Rechte,
sondern hauptsächlich Verpflichtungen, wie z.B. den Adoptiveltern zu helfen,
sie zu unterstützen, im Alter zu pflegen etc. Sie begründet keinerlei 'Rechte'
auf indigene Spiritualität, Teilnahme an Zeremonien, oder auch zur Vertretung
indigener Ethnien, Familien in irgendwelchen Gremien oder Organisationen.
Letztens und Schlechtestens: in der weit überwiegenden Mehrzahl aller Fälle
werden solche Adoptionen völlig zu Unrecht behauptet und entsprechen in keiner
Weise den Tatsachen; die angeblichen Adoptiveltern sind in vielen Fällen auch
bequemerweise bereits verstorbene Personen, die nicht mehr widersprechen
können. Von indigenen Personen werden solche angeblich adoptierten Weißen als
kulturelle und spirituelle Ausbeuter betrachtet. Sie werden auch 'Wanabi'
genannt (von 'wants to be Indian').

Weiterhin sind Archers Ansprüche lächerlich: eine weiße US-Bürgerin reist
'zurück' nach Europa, um die „indigene europäische Kultur mit Einzelpersonen
und Gruppen durch Weitergabe zu teilen […] und Zeremonien [...] zu
veranstalten“. Wir wissen ja auch wirklich kein bißchen über die Geschichte
dieses Kontinents und sind auf die Bemühungen einer weißen Mittelklasse-
Amerikanerin europäischer Abstammung angewiesen, die sich abmüht, uns was
beizubringen. Was sie lehrt, ist jedoch nicht Tatsache, sondern Fantasie.

Wie z.B. in diesem Jahr bei zwei Vorträgen in Belgien:
http://www.jnm.be/forum/viewtopic.php?f=1&t=674

„thu jun 11, 2009 13:11 pm
Am Wochenende des 20./21. Juni wird Naomi Archer, eine indigene/lesbische
Aktivistin aus den USA, zwei Workshops in Gent durchführen – gegen Spende. Ihr
könnt etwas mehr über ihre Arbeit unter diesem Text lesen und auch, welche
Inhalte diese Workshops haben werden:

1)Die Sonne zurückstehlen: die Botschaft indigener Solidarität und
traditionellen Verständnisses (20. Juni)

2)Der Pfad der two-spirits zur Erde: Ein Workshop-Treffen des Heilens und der
Dekolonisierung für LGBTIQs (21. Juni)


Die Workshops finden in einer Jurte auf einer Wiese in Mariakerke statt, aber
meldet euch bitte an, wenn ihr teilnehmen wollte und dann sagen wir euch den
genauen Ort und die genaue Zeit.

PS: Wir suchen immer noch eine Unterkunft für Naomi (außer der Jurte), wo sie
vielleicht ein paar Tage bleiben/duschen/... kann – bitte gebt uns Bescheid.

FREIHEITSLEKTIONEN: Untersuchung der U.S. Lakota Sioux Souveränitätsbewegung.
Eine Aktivistin der indigenen Rechte erzählt Geschichten, macht Workshops,
lehrt traditionelles Verständnis

Vom 5. bis 12. Juli wird Naomi Archer, eine Aktivistin für indigene Rechte,
durch Europa reisen, um Workshops zu teilen und über das Entstehen der Lakota
Oyate Freiheitsbewegung zu sprechen und die Lektionen der Bewegung allen
Leuten mitzuteilen, die in ihrem eigenen Leben nach Freiheit streben.

Naomi ist die Direktorin des Four Direction Network (www.eswn.org), einer
Organisation, die indigene und nicht-indigene Personen auf respektvolle Weise
zusammenbringt, um traditionelle indigene Kultur zu bewahren und eine
nachhaltige Beziehung mit unserer Mutter Erde zurückzubringen. Ihre freien
Workshops und Vorträge geben die traditionellen Lektionen weiter, die sie von
anderen erhalten hat, um Gesundheit, Heilung und einen erneuerten Respekt für
all unsere Verwandten in der natürlichen Welt zu ermöglichen.

Naomi ist auch adoptiertes Mitglied der Cante Tenza, des Strongheart
Kriegerbundes der Teton Ogalala [sic] Lakota Nation. Zusammen mit der
Unterstützungsarbeit für die Lakota Oyate Freiheitsbewegung hilft sie, den
bevorstehenden Protest und die Blockade des Dorfes White Clay/Nebraska zu
organisieren, um den weiteren Genozid an den Oglala Lakota durch illegalen
Alkoholverkauf in der Nähe der Pine Ridge Indianerreservation zu verhindern.

„Mit dem Einsetzen der globalen Erwährung und der Umweltkatastrophe müssen wir
eine bessere Lebensweise mit Mutter Erde und allem Leben wiederentdecken,
bevor es zu spät ist. Indigene Traditionen sagen uns, daß die Antwort in der
Vergangenheit liegt, in der Weisheit unserer eigenen Vorfahren. Meine Rolle
ist es, Menschen zu helfen, diese Geschichte und Balance zu finden.“ (Naomi
reist auf traditionelle Weise und während ihre Vorträge keinen Eintritt
kosten, sind Spenden demütig erwünscht, um die Kosten für ihre Reise zu
decken. Vielen Dank.)


Workshop 20 juni:
Die Sonne zurückstehlen: Die Botschaft indigener Solidarität und
traditionellen Verständnisses
Sprache: Englisch (Übersetzer in andere Sprachen nötig)
Zeitdauer: ein bis zwei Stunden oder länger, flexibel
Art: interaktiv, umfaßt Musik, Präsentationen und Feedback durch die Zuhörer


Workshop 21 juni:
Der Pfad der Two-Spirit zur Erde – Eine Workshop-Versammlung für LGBTIQs
Seit über 40.000 Jahren haben Lesben, Schwule, Bisexuelle, Transgender,
Intersex und Queers (LGBTQI) wichtige Rollen in unseren Gemeinschaften
eingenommen. Wir two-spirit oder whole-spirit-Menschen waren Heiler,
spirituelle Menschen, Hüter des Wissens, Erneuerer, Botschafter und sogar
Krieger. Wir wurden geehrt, weil wir Gleichgewicht repräsentierten und
teilten. Wir waren wichtig für die spirituelle und emotianale Gesundheit
unserer Völker und unserer Beziehung mit der gegenseitig verbundenen, lebenden
Welt um uns. Heute kämpfen viele LGBTIQ-Personen, um einen Platz in einer
häufig gleichgültigen und feindlichen modernen Welt zu finden. Unsere
einzigartigen Seelen werden zu häufig als bedrohend erlebt und nicht als
heilend. Unsere einzigartigen Gaben haben abgenommen. Die wichtigen Rollen und
das Wissen der LGBTIQ sind vergessen, was zu Krankheit und Ungleichgewicht
führte. Bitte schließt euch uns an für ein Treffen des Heilens und der
Dekolonisierung für LGBTIQ-Menschen. Dies ist ein Treffen, um unsere
Geschichte zu lernen und die Macht unserer Gaben zu verstehen... um in unseren
Köpfen den Prozeß der Dekolonisierung von den zerstörerischen modernen
konsumorientierten Denkweisen zu beginnen... und um den einzigartigen Geist zu
heilen, der in jedem von uns wohnt und der gebraucht wird, um Mutter Erde
heilen zu helfen in dieser großen Zeit der Veränderung. Wir werden Wissen
teilen, Perspektiven austauschen und Verwandtschaften aufbauen, zum größeren
Wohle von uns allen.

Eure Leiterin bei diesem Workshop ist Ana Oya Ametz, oder Naomi Archer. Sie
wird ihre Erfahrungen und Lektionen mitteilen, die sie auf dem Weg zur „Ana“
oder two-spirit des Iladurarrak-Volkes erlebte. Die Iladurarrak lebten einst
entlang der Küste Frankreichs und Belgiens. Sie wird auch ihre Erfahrungen als
two-spirit bei internationalen indigenen Treffen und als adoptiertes und
aktives Mitglied des Lakota Sioux Kriegerbundes der Cante Tenza. Naomi hat
auch auf lokaler, staatlicher und bundesweiter Ebene für LBGTIQ-Rechte
gearbeitet und war Sexualitäts/Gender-Lehrerin.[/quote]


Es ist zu betonen, daß Archer das Newage-Konzept der „two-spirited people“
verwendet. Es ist eine in der Newage-Szene häufig anzutreffende Vorstellung,
daß Schwule/Lesben, Transgenders etc. bei den indigenen Völkern Amerikas
hochgeachtet waren und in allen indigenen Kulturen als „two spirited“
angesehen und bezeichnet wurden. Dies setzt eine homogene indigene Kultur
voraus, die es jedoch nie gab und auch heute nicht gibt. Daher kann es diese
Rolle der two-spirited auch nicht generell gegeben haben, sondern realiter
gibt es eine erhebliche Bandbreite an Einstellungen. In der Newage-Szene wird
dennoch häufig mit einer angeblich homogenen indigenen Kultur gearbeitet bzw.
diese wird aus Versatzstücken aus der Kultur und Religion mehrerer Ethnien
geradezu zusammengerührt. Diese Herangehensweise überträgt Archer offenbar auf
den europäischen Kontinent und propagiert eine ebenfalls homogene Sichtweise
und Rolle der two-spirited. Den archäologischen Funden kann man so viel jedoch
nicht entnehmen; diese Vorstellung entwickelt Archer augenscheinlich ebenfalls
„intuitiv“.

Außerdem hat Archer die Region ihrer angeblichen Iladurarrak dem
angesprochenen Publikum angepaßt und läßt diese in den Werbetexten für diese
Vorträge nun an der Küste des heutigen Frankreich und Belgien wohnen (der
Küstenverlauf sah 10.000 v.u.Z. allerdings sehr anders aus...). Ein weiterer
verdächtiger Aspekt bei diesen Vorträgen ist, daß sie auf sehr klandestine
Weise organisiert wurden und InteressentInnen den genauen Tagungsort erst nach
Kontaktaufnahme erfahren.

Ich möchte herausstellen, daß Archers Behauptungen, sie „teile ihre Erfahrung“
als two-spirited bei der „Teilnahme an internationalen indigenen Versammlungen
und als adoptiertes und aktives Mitglied des Kriegerbundes der Lakota Sioux“,
als kulturelle Ausbeutung ihrer Kontakte zu indigenen AktivistInnen zu werten
sind. In ähnlicher Weise spiegelt Archers Behauptung der angeblichen indigenen
Herkunft eine rasstische Einstellung wieder – und zwar nicht nur, weil sie
ganz zufälligerweise vergißt zu erwähnen, welche indigene Ethnie sie denn
damit meint. Eine privilegierte weiße Person nennt sich indigen, weil
möglicherweise und vielleicht vor zehntausenden von Jahren irgendwelche
Vorfahren aber ganz bestimmt mal so was Ähnliches waren – das ist ein
ziemliches Stück weiße Arroganz und Überlegenheitsideologie: der „bessere
Indianer“.

Zum Schluß noch: Archer sieht sich als der anarchistischen Bewegung zugehörig
an. Daher sollte sie eigentlich etwas gelernt haben zur Thematik Rassismus,
institutionalisierter Rassismus, rassistische Unterdrückung und weiße
Herrschaft – und auch dazu, wie mensch sich anders als rassistisch verhält.
Eines der grundlegendsten Prinzipien ist, daß die Freiheit jeder Person dort
ihre Grenzen hat, wo sie die Freiheit anderer Personen berührt. Archer hat
diese Grenzen jedoch erheblich überschritten; sie erklärt sich gegen alle
Fakten zur indigenen Person, sie beutet indigene Kulturen und Spiritualität
für ihren Profit aus. Sie hat zwar ihre vorherige Webseite vom Netz genommen
und durch eine dezentere Seite ersetzt, die nicht ganz so drastisch und
deutlich herausstellt, daß Archer gegen Geld den desorientierten Euro-
AmerikanerInnen und EuropäerInnen eine Alternative anbietet, wie sie zu ihren
wahren Ursprüngen zurückfinden können. Sie hält aber immer noch Vorträge gegen
Bezahlung. Sie stellt sich zwar nicht mehr öffentlich als „Schamanin“ dar und
bietet ihre entsprechenden Dienste gegen Geld über ihre Webseite an, aber sie
„lehrt“ ihr Publikum, daß sie einer Gruppe von Menschen angehört, die per se
für spirituelle und andere Aufgaben auserwählt sind und dies bei ihren
angeblichen Vorfahren so gehandhabt wurde. Dies impliziert nicht nur, daß sie
immer noch mit ihrem „Schamanen“kram weitermacht, nur eben verdeckter – dies
steht auch in einigem Widerspruch zum anarchistischen Gedanken von der
Gleichheit der Menschen. Stattdessen spiegelt es Vorstellungen von
'Übermenschen' wieder, die für die Newage-Szene charakteristisch sind. Ms
Archer, du kannst nicht beides haben, der Spagat kann nicht klappen:
anarchistische Aktivistin UND zur Schamanin prädestinierte two-spirited und
'besserer' Mensch plus Ausbeuterin.

Als Archer mit diesem völkischen und pseudo-indigenen Brimborium versuchte,
beim indigenen Projekt Newage Frauds and Plastic Shamans Fuß zu fassen und
sich als indigene Schwester anzubiedern, wurde sie von den indigenen
MitarbeiterInnen als Rassistin und Ausbeuterin bezeichnet und zog es vor, sich
schadenbegrenzend zu entfernen. Die anarchistische Bewegung sollte für Archers
Verhalten ebenfalls deutliche Worte finden.

- Tahya El-Hurriya -

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