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London: AnarchistInnen gedenken des Mords an Anarchisten vor hundert Jahren [06.01.2011 - Ergänzt mit Videobericht]

by syndikalismus.tk — last modified 2011-01-13 15:31 www.syndikalismus.tk

Wie Ian Bone (Classwar) auf seinem Blog berichtet, gedachten gestern Mitglieder von Classwar, der Whitechapel Anarchist Group (WAG) und andere AnarchistInnen der beiden vor hundert Jahren von der Polizei ermordeten Anarchisten Fritz Svaars und William Skolow in der Londoner Sydney Street.

Anarchistische Gedenkveranstaltung für die vor 100 Jahren ermordeten Genossen der "Belagerung der Sidney Street". London, 03. Januar 2011.

Bei den Anarchisten handelte es sich um Anhänger der „Expropriation der Expropriateure“, also Genossen, die mit der Waffe in der Hand Reichtümer von Besitzenden stahlen, um selber davon zu leben, bzw. die Bewegung zu unterstützen.

Polizeieinheiten in der Sidney Street - Erster von links mit Zylinder: Winston Churchill.

Die Unterkunft, der auch aus litauischen Genossen bestehenden Gruppe, wurde am 2. Januar 1911 von einem Verräter-Schwein der Polizei mitgeteilt. Diese rückte mit einem Großaufgebot zum Gebäude in der Sidney Street im Stadtteil Stepny vor. Am Morgen des 3. Januar 1911 riegelte sie die Umgebung hermetisch ab, was zur heute noch gebräuchlichen Bezeichnung der „Belagerung der Sydney Street“ führte. Die Genossen bemerkten die Polizei-Aktion und setzten sich mit Schusswaffen zur Wehr, als die Polizei versuchte ihre Unterkunft zu stürmen. Die Erstürmung scheiterte und unter der Leitung Winston Churchills (damals Innenminister) wurden als Verstärkung Soldaten des Londoner Towers und Scots Guards herbeigeordert. Über sechs Stunden lang dauerte das Gefecht zwischen Anarchisten und Staatsmacht. Das Gebäude in welchem sich die Genossen ihrer Haut erwehrten, hatte aber schließlich durch den ständigen Beschuss Feuer gefasst und stand in Flammen. Churchill verweigerte der Feuerwehr die Durchfahrt. Das Haus wurde nicht gelöscht und die Genossen starben unter den zusammenbrechenden Decken im Feuer.

An der gestrigen Kundgebung nahm auch der anarchistische Historiker Phil Ruff teil. In bewegenden Worten ehrte er die ermordeten Genossen und verteidigte sie gegen einen im Guardian erschienenen Schmutzartikel, der sie „eher als gewöhnliche Kriminelle, denn als Anarchisten“ zu diskreditieren versuchte. Die Aktionen der Gruppe waren die ersten bewaffneten Raubüberfälle von Anarchisten in Britannien. Exakt zu der Zeit, als das Haus vor 100 Jahren in Flammen gesetzt wurde, wurde eine Schweigeminute gehalten. Danach ergriff Martin Wright von der WAG das Wort und sprach über die weiterhin bestehende anarchistische Präsenz im Stadtteil und gab seiner Hoffnung Ausdruck, in den nächsten Monaten ein Anwachsen weiterer anarchistischer „troublemaker“ zu erleben.

Die Ereignisse in der Sidney Street wurden auch filmisch aufgegriffen. 1960 behandelte der Film „The Siege of Sidney Street“ die Ereignisse. Auch Alfred Hitchcock griff diese in seinem Film „Der Mann, der zuviel wusste“ auf.

Siehe auch

Nachricht bei Ian Bone

Interview zwischen Ian Bone (Classwar) und Phil Ruff über die „Belagerung von Sidney Street in London 1910 in englisch.

Auf russisch findet sich eine gute Darstellung dazu in „Bez Graniz“ Nr.1 – einem Gemeinschaftsprojekt russischer und lettischer Anarchisten. (In der Sydney Street waren es Mitglieder der Gruppe „Liesma“ – „Die Flamme“, welche 1909 von lettischen Anarchisten im Exil gegründet wurde) http://left.lv/index.php?newsid=40

Zum Hintergrund siehe auch den Wikipedia-Eintrag

Ergänzt 06.01.2011 – Video mit den Ansprachen zur Gedenkveranstaltung mit Phil Ruff und Martin Wright:

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