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Dokumentation: Griechischer Anarchist mit Anti-Terror Gesetz verhaftet

by Rudolf Mühland last modified 2008-01-31 23:22

Am frühen Morgen des 26sten November 2007 wurde der 27-jährige Vaggelis Botzatzis von der Staatssicherheit von Thessaloniki, Griechenland, verhaftet. Bis Montagmorgen wurde ihm nicht erlaubt, mit seinem Anwalt Kontakt aufzunehmen, seine Wohnung und diejenige seiner Freundin (wo er verhaftet wurde) wurden durchsucht. Er ist mit dem 2001 verabschiedeten Anti-Terror Gesetz angeklagt.

Seine Anklagen lauten:
• versuchte und vollendete Brandstiftung, gemeinschaftlich und wiederholt
• versuchte und vollendete Explosion, gemeinschaftlich und wiederholt
• Herstellung und Besitz von explosiven Mechanismen
• Fall von erheblichem Schaden an Privateigentum
• kriminelle Organisation
• gemeinschaftliche und wiederholte terroristische Aktionen
• illegaler Waffenbesitz

3 weitere AnarchistInnen haben die selben Anschuldigungen und werden von der Polizei gesucht, ihre Gesichter erschienen sogar in den Medien.
Von Anfang an erklärte Vaggelis Botzatzis, er sei Anarchist und akzeptiere keine der Anschuldigungen. Er beendete seinen ersten Brief aus dem Knast mit den Worten: "Das einzig sichere ist, dass nichts vorbei ist und dass alles weitergeht."
Falls er (wie auch die 3 gesuchten GenossInnen) verurteilt werden, kann er bis zu 25 Jahre kriegen. Die Polizei vermutet, dass er am Angriff auf einen französischen Autohandel (Peugeot) beteiligt gewesen sei, der vermutlich in Solidarität mit den Aufständen in Paris durchgeführt worden war. Die Polizei vermutet weiter, dass er auch bei Angriffen auf einen Bankautomaten und zwei LKWs der staatlichen Energiebehörde beteiligt gewesen sein könnte.

Freiheit für Vaggelis Botzatzis!

Solidarität mit den 3 gesuchten AnarchistInnen!

No Freedom, No Peace!




Was ist seither passiert? Chronologie der Ereignisse seit dem 26. November 2007.

Der griechische Anarchist Vaggelis Botzatzis wird in Thessaloniki in den frühen Morgenstunden des 26. Novembers 2007 verhaftet. Einige Stunden später durchsucht die Polizei das Haus seiner Freundin wie auch die Wohnung, wo Botzatzis mit seinem Bruder zusammen lebte. Am Mittag bringen sie seine Freundin zum Verhör zur Hauptwache von Thessaloniki. 4 weitere AnarchistInnen des politischen Squats Terra Inkognita - darunter zwei enge Freunde von Vaggelis Botzatzis - werden zur selben Polizeistation gebracht.
Um 22:30 Uhr des selben Tages versammeln sich mehr als 100 AnarchistInnen vor der Hauptwache, wo ihre GenossInnen festgehalten werden, rufen Slogans und verlangen ihre Freilassung. Spät in der Nacht werden die 4 AnarchistInnen freigelassen, aber Vaggelis und seine Freundin bleiben weiterhin drin.
Am nächsten Tag, dem 27. November, wird seine Freundin am späten Nachmittag freigelassen. Während diesem Tag durchsuchen die Bullen die Wohnungen von weiteren 3 AnarchistInnen, die ebenfalls enge Freunde von Vaggelis Botzatzis sind. Dieser wird endlich über seine Anklagen informiert: Teilnahme an drei Brandstiftungen. Die erste Aktion derer er beschuldigt wird ist ein Angriff auf eine Millenium Bank im Westen der Stadt im Juli 2007. Die Aktion fand als Solidaritätskundgebung für den Anarchisten G. Dimitrakis statt, der für bewaffneten Banküberfall absitzt. Die zweite Anschuldigung ist der Angriff auf 3 Autos des Hauptelektrizitätswerks, welche als Akt gegen die Verschmutzung der Umwelt und gegen einige Todesfälle von Arbeitern dieser Firma. Die dritte Aktion war gegen über 10 Autos eines Peugeot Händlers gerichtet, vermutlich in Solidarität mit den Aufständen in Paris, die in diesen Tag erneut aufflammten, und wurde nur wenige Stunden vor der Botzatzis' Verhaftung durchgeführt.
Am Nachmittag desselben Tages wird Vaggelis vom Gericht informiert, dass er 3 Tage Zeit hat, um vor dem Staatsanwalt zu erscheinen. Die Polizei hat ausserdem die 3 AnarchistInnen, deren Wohnungen zwar durchsucht, sie Leute aber nicht aufgefunden wurden, zur Fahndung ausgeschrieben.
Am folgenden Tag erscheinen Photos der 3 in vielen Zeitungen und Fernseh-Nachrichten. Die Lokalzeitung "Makedonia" ist eine derjenigen, die absolut mit den Wünschen der Polizei einhergeht.
Der 29. November ist der Tag der Anklage. AnarchistInnen versammeln sich ausserhalb des Gerichts. Vaggelis Botzatzis verneint alle Anschuldigungen und wird in das Gefängnis von Komotini gebracht, um dort auf seinen Prozess zu warten. Er kann so bis zu 18 Monate lang ohne Gerichtsurteil festgehalten werden.
Am nächsten Tag werden überall Wände mit Slogans besprayt, die Polizei ist unüblich aggressiv.
Am Montag, dem 3. Dezember, versammeln sich AnarchistInnen ausserhalb des Hauptbüros der "Makedonia" Zeitung mit einem Transparent, rufen Slogans und sprayen.
Einen Tag später wird ein grosses Transparent mit Luftballonen vom Hauptplatz von Thessaloniki in die Luft gelassen - vor den Augen von Tausenden, die sich dort für die Feierlichkeiten zum "Tag der Engel" eingefunden haben.
Während der nächsten Woche besuchen GenossInnen von Botzatzis grosse Städte wie Athen, Giannena und Volos, um die AnarchistInnen über die Situation zu informieren.
Am 15. Dezember findet ein grosses Soli-Konzert in der polytechnischen Schule von Thessaloniki statt, um Geld für Botzatzis, die 3 sowie andere anarchistische Gefangene zu sammeln.
Am frühen Morgen des 20. Dezembers werden im Westen Thessalonikis Autos der Stadtpolizei als "erste und mindeste Antwort auf die unfaire Inhaftierung des Anarchisten Vaggelis Botzatzis" und in Solidarität mit den 3 gesuchten AnarchistInnen angegriffen.
Am nächsten Tag werden die Hauptbüros der Zeitungen von Thessaloniki und Makedonia-Thrace besetzt. Um 13:30 Uhr am selben Tag sabotieren ca. 60 AnarchistInnen eine Kamera im Zentrum von Thessaloniki mit zwei Transparenten, eines davon gegen Kameras und die tägliche Kontrolle gerichtet, das andere für die Befreiung von Botzatzis.
Am 22. Dezember demonstrieren 150 Anarchisten vor dem Gefängnis von Komotini. Es gibt zu viele die Demo umzingelnde Polizei. Wieder werden viele Slogans gerufen, damit Botzatzis und die anderen Gefangenen uns hören können. Ein Ballon-Transparent fliegt über das Gefängnis, dann geht die Demonstration in die Stadt Komotini, es wird gesprayt, Flyers verteilt etc. Diese Demonstration war ein grosses Ereignis für diese Stadt und ihre Medien, so dass Vaggelis' Name und seine Situation jetzt jedem bekannt ist.
Am nächsten Tag wurden zwei Büros der regierenden Partei in Thessaloniki mit Steinen und Farbe angegriffen, Slogans über Botzatzis wurden gemalt. In der selben Nacht wurde eine Gasbombe bei der Triandria City Hall platziert.
Am 21. Januar gibt es eine Serie von Angriffen mit Brandsätzen in Athen und Thessaloniki, die alle dem Kameraden V. Botzatzis gewidmet waren. In Athen werden 9 Angriffe in 27 Minuten durchgeführt, während in Thessaloniki innert 5 Minuten ein PPC Auto wie auch der Bankschalter einer Millenium Bank abgefackelt werden. Das Communique (von directactiongr.blogspot.com/):

"Last night's series of incendiary attacks against luxurious car dealerships in Halandri, Kifissia and Argiroupoli, bank subsidiaries in Nea filadelfia, Dafni, Egaleo, Ano Patisia, Dafni and in Thessaloniki at 117, Martiou Street, and against PPC (the state-run power company) cars outside its offices in both Athens and Thessaloniki, is undertaken by the Conspiracy of Cells of Fire Thessaloniki-Athens.
We selected to strike the bank subsidiaries because they constitute the symbols-tools of exploration and of the economic empire. In parallel, the banks are the modern day corporations that accredit with loanee dreams the consumers, so that they would be glamour voluntarily their misery and their economic state of captivity.
We attacked the PPC corporation as a response to the dozens assassinations of workers that died in its workplace-prisons because of the lack of security measures, as well as for the deadly effects (such as cancer) that appear at the zones around its power plants.
We set on fire the dealerships of luxurious cars that form prestigious symbols of authority inside the commodity fetishist frenzy that has taken over the metropolis. We do not respect the law-abiding citizens' wet dreams for a fast car in expense of the slow suicide offered by the modern life style.
The revolutionary character of economic-capitalist targets arson isn't found only in its physical destruction but also in the illegality of the action itself. In the decision to attack.
In this combatant situation, there are also losses. Accordingly, we dedicate last night's attacks in Thessaloniki and Athens to the imprisoned anarchist V. Botzatzis who is accused for 3 arson attacks against 3 targets, as well as to the 3 fugitive comrades accused under the same case, and that chose the way of a proud escape, than to give themselves in.
We don't forget any imprisoned comrade. We will be back soon...

Conspiracy of Cells of Fire Thessaloniki-Athens"

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