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Anti-Atom –Demonstration in Minsk, Belarus

by Rudolf Mühland last modified 2009-04-28 19:26

Anti-Atom –Demonstration in Minsk, Weißrussland (der Tschernobyl-Marsch) Der Tschernobyl-Marsch ist einer der größten Anti-Atom-Demos in Minsk, Belarus. Die Demo findet jedes Jahr im Frühling, am Jahrestag der Tschernobyl-Katastrophe am 26 April statt. Seit dem Jahre 1996 beteiligt sich auch die linke Szene an dem Tschernobyl-Marsch. Auf der Demo wird an erster Stelle die Problematik der Radioaktivität thematisiert, die durch die Tschernobyl-Katastrophe am 26 April 1986 bis heute ein Problem darstellt. Alexander Lukaschenko(der Präsident von Belarus) plant ein neues Atomkraftwerk zu bauen, trotz noch vorhandenen radioaktiven Folgen in bestimmten Gebieten von Belarus. Der Bauplan wurde von russischen Architekten entworfen und steht schon fest. Nur der genaue Bautermin steht noch nicht fest. Dagegen wird natürlich auch protestiert.

In diesem Jahr, am 26 April 2009 verlief die Demo ca. ca.3 Stunden und es wurde eine neue sanktionierte Route von der Polizei auserwählt, die nicht durch die Innenstadt, sondern durch Seitengassen verlaufen sollte.
Das war die neue Taktik, um die Aktivisten einzukesseln, falls sie die Route wechseln würden, weniger Leute davon mitbekommen würden und damit die Demo schneller vonstatten gehen sollte. Das gelang der Polizei auch bestens, denn bevor die Demo erst richtig in Fahrt kommen konnte, war sie auch wieder beendet.
Die Demonstration begann um 12.00 Uhr an der Wissenschaftsakademie(Akademia Nauk), die recht zentral, in der Innenstadt liegt. Die Teilnehmerzahl der Demonstranten, lag ca. bei 1000.
Der größte anwesende Teil der Demonstranten, waren Oppositionelle, die mehr patriotisch, in Parteien organisiert und mehr EU interessiert sind.
Davon grenzte sich die anarchistische Antiatom-Bewegung ganz konkret ab. Sie war dieses Jahr mit ca. 130 Leuten im schwarzen Block organisiert. Der schwarze Block wurde von einer Samba-Band mit acht Trommlern begleitet.
Neben dem schwarzen Block, war die rechte Allianz mit ca.20 Leuten anwesend, die mit ihren rot, schwarz, weißen Flaggen auftrat und ihre rechtsextremen Flugblätter am verteilen waren. Die standen sehr abseits von dem schwarzen Block und waren auch so schnell wieder weg, wie sie gekommen waren. Anfangs, waren die auf eine Provokation mit den Anarchisten aus, die wie jedes Jahr auch mit dem KGB so abgesprochen wird, damit die Polizei dann eine Rechtfertigung für den Einsatz einer Prügelattacke hat. Auf diese Provokation haben sich die Anarchisten jedoch nicht eingelassen und haben sie verjagt, worauf die “rechte allianz“, die Straßenseite wechselte.
Da der anarchistische Block ohne die Opposition nicht laufen darf und die Opposition ihre Reden hielt, waren alle bis 13.30 Uhr auf dem Platz versammelt. In der Zeit wurden Flugblätter im schwarzen Block verteilt, zum Themas Organisierung und Verhalten und Sicherheit auf einer Demo. Für außenstehende und vorbeilaufende Menschen, wurden Info-Flugblätter zum Thema Antiatom verteilt.
Danach mussten wir alle die Unterführung, zur anderen Straßenseite überqueren. In der Unterführung, wurden Antiatom-Parolen gerufen, die Samba-Band legte los und all dass hatte einen Hauch von “Reclaim the streets”.
Die Stimmung war auch schnell wieder vorbei, denn der KGB hatte schon Mannschaftswagen der Polizei ausgerufen, an allen Seitengassen dem naheliegenden Umkreis, so dass man die Aktivisten schnell einkesseln konnte.
Eine Ratlosigkeit und Diskussion machte sich unter den Aktivisten breit, da es in Planung stand, die Richtung in die nicht sanktionierte Route zu wechseln. Doch da die Mannschaftswagen schon an allen Straßen bereit standen, blieb den Aktivisten nichts anderes übrig, außer der erlaubten Route zu laufen.
Also lief der schwarze Block die erlaubte Route in die Seitengasse hinein, als der schwarze Block ca.600 Meter an der Hauptstraße ankam, wurden sie auch schon eingekesselt. So blieb den Aktivisten nichts anderes übrig, außer die Demo aufzulösen. Enttäuscht, löste sich die Demonstration gegen 14.30 Uhr auf.

Da die linke Szene anfangs sehr klein und schwach organisiert war, gibt es leider erst Infos über den Verlauf der Demos, seit dem Jahre 2005.
Hier sind einige Eintragungen vom Jahre 2005-2008.

Im Jahre 2005 taucht ein schwarzer Block von AnarchistInnen an der Anti-Atom-Demo auf, wo ca.40 Aktivisten kraftvoll an der Demonstration teilnehmen.

Im Jahre 2006 war der Tschernobyl-Marsch einer der wichtigsten und letzten Proteste, nach den Präsidentschaftswahlen im Jahre 2006. Die Anarchisten haben es geschafft die beeindruckendste und lauteste Masse an jungen Menschen zu versammeln, die unabhängig von einem politischen Führer oder einer Partei, protestierten. In dem schwarzen Block waren die unterschiedlichsten Menschen, ca.80-100 Aktivisten, Anarchisten, Autonome, Antifas, Punks und einfach junge Leute, die sich der liberalen Opposition(worunter viele Patrioten und einige Nationalisten darunter sind) nicht anschließen wollte.
An der Demo waren ca. 4000 Menschen, Oppositionelle, Patrioten, Alternative, Rentner, und darunter der schwarze Block. Nur der schwarze Block ist die Route von Akademie Nauk bis zum Platz der Bangalore (ca.3km) durchgelaufen.
Im Unterschied zu der liberal-bürgerlichen Opposition, sind die Anarchisten mit sozialen und ökologischen Parolen auf die Straßen und haben es geschafft ihre Transparente alle raus zuhängen, ohne dass es jegliche Polizeigewalt gab, wie üblich.
Über das Jahr 2007 habe ich leider nur eine kleine Eintragung.
Die Demo verlief ca.3 Stunden. Hundertschaften der Polizei waren gegen Ende der Demo anwesend. Mit dem Lautsprecher forderten sie die Demonstranten auf, die Demo sofort zu beenden.
Als die Aktivisten, trotz Aufforderung der Polizei weiter liefen, liefen die Polizisten(ca.250 Bullen)aggressiv auf die Demonstranten zu. Gummischlagstöcke und Tränengas wurden eingesetzt
Im Nachhinein wurde kritisiert, dass der schwarze Block sich nach dem Platz der Bangalore, auflöste und nicht zusammen blieb in einer Kette.
Wieder mal, endete eine Demonstration durch Polizeigewalt. Keiner wurde jedoch festgenommen, entkommen konnten alle.


Im Jahre 2008 fand die Demo am 27 April statt. Die Demo sollte eigentlich an dem Platz Jakuba Kolosa (nach einem belarussischen Schriftsteller benannt) stattfinden, was mitten in der Innenstadt neben der Metro liegt. Doch die Polizei hatte Furcht vor gewaltmäßigen Ausschreitungen, daher wurde der ganze Platz abgesperrt. Busse fuhren von dem Platz aus für mehrere Stunden nicht, daher war eine Massenansammlung von Menschen an dem Platz.
Die Demo wurde verlegt an den Platz Akademie Nauk, was ein wenig abseits der Innenstadt liegt.
Ungefähr gegen 18.30 Uhr versammelten sich Aktivisten an dem erlaubten Platz.
Die liberale Opposition kam wie üblich mit den Parolen:”Es lebe Belarus“ und mit der ehemaligen belarussischen Flagge Rot-Weiß-Rot.
Die Anarchisten haben sich wie üblich näher der Straße aufgestellt, Banner mit Anti-Atom-Aufschriften grün-schwarze und rotschwarze Flaggen waren meterweit zu sehen. Gegenüber der Straße standen Hundertschaften mit Polizeibussen parat, da die Demo nicht sanktioniert war. Falls die Demo nicht so ablaufen würde, wie die Polizei das gern hätte, gab sie allen zu verstehen, dass sie bereit war, Gewalt anzuwenden und die Spezialeinheiten loszuschicken. Das ist eine bekannte psychologische Methode der Polizei, die von Anfang an, auf Unterdrückung aus ist und an jeder Demo durchgeführt wird, auch wenn sie offiziell erlaubt ist.
Da es jedes Jahr, dasselbe Spiel ist, wird versucht die Polizei, soweit es geht zu ignorieren.
Parolen die gerufen worden sind und auf Banner standen:
-Atomkraftwerke sind schlecht für die Welt, dass wissen sogar Kinder
-Gegen ein zweites Tschernobyl
-Wir fluchen auf die Atomenergie
-Gummischlagstöcke, Tränengas ist das Geschenk des Präsidenten für die Arbeiterklasse
-Gibt es kein Atomkraftwerk, dann gibt es auch keine Radioaktivität
-Der Staat gebärt Parasiten
-Wir wollen keine toten Kinder
Höher, höher die schwarze Flagge, wir sind uns einig dass der Staat hier der Abschaum ist
Der Block sah von der Ferne, mit den Bannern, Flaggen und mit den medizinischen Masken (Antiatom-Zeichen drauf gemalt) die jeder an hatte, sehr bunt, protestvoll, eigenständig und energisch aus.

Gegen 19.30 Uhr bewegten sich die Anarchisten bis zum Platz der Bangalore (ca.3 km Richtung Innenstadt). In dem Moment, waren es ca.80 Demonstranten.
Nach der Demo gab es eine Rangelei zwischen zwei Neonazis und drei Anarchisten in der U-Bahn-Station mitten in der Innenstadt.
Die Anarchisten sahen wie Neo-Nazis Aufkleber mit der Anschrift Nazi-Fans Minsk, klebten. Ein Mädel forderte sie auf, die Aufkleber abzukleben. Als sie es nicht taten, tat sie die Aufkleber selbst ab. Die Nazis griffen darauf hin nicht das Mädel an sondern beide auf den männlichen Genossen. Die zwei Mädels, die an seiner Seite waren wurden gar nicht angegriffen, denn hier gilt der Grundsatz, dass Frauen nicht geschlagen werden. Beide Mädels griffen darauf hin, mit Schlägen und Tritten die Nazis an, womit die Nazis nicht gerechnet hätten. Üblicherweise schlagen sich die Mädels hier nicht. Ein Mädel hatte jedoch zwei Holzstöcke im Ärmel stecken, womit sie die zwei Neonazis schnell verjagte. Der Genosse wurde leicht am Ohr verletzt.

Wir rufen alle Genossen dazu auf, sich auch sonst, mit den belarussischen Antiatom-Aktivisten zu solidarisieren und gegen den Bau eines Atomkraftwerkes in Belarus zu protestieren.
Link zum Aufruf:
 http://de.indymedia.org/2009/02/241688.shtml

Link zum Video:
 http://belarus.indymedia.org/content/guest/16676.flv
 http://ifolder.ru/11819967
 http://belarus.indymedia.org/content/guest/16703.wmv

Fotos:
 http://s55.radikal.ru/i147/0904/94/71c29e3eba48.jpg  http://i062.radikal.ru/0904/01/b547e7264875.jpg  http://s49.radikal.ru/i125/0904/7b/ca7c52617cb4.jpg  http://s46.radikal.ru/i113/0904/6d/9b5b7b78ecbe.jpg
 http://belarus.avtonom.org/?p=3871

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