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2.) Anarchistischer Block beim Tschernobyl Jahrestag am 26.04.07 in Minsk

by Dokumentation — last modified 2007-07-19 08:35
Contributors: Autonome Aktion Minsk, 08.05.07, Übersetzung: Schwarze Katze
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Die Stärke der Anarchisten bestand im lebhaften Verhalten und Auftreten, welche ihnen half sich auf positive Weise vom Rest der Demo zu unterscheiden. Unsere Slogans waren auch aktueller und Themenbezogener als das "Lang lebe Weißrussland" der liberalen demokratischen Opposition. Ich hatte den Eindruck, dass sie nichts anderes schrieen. Viele junge Leute begaben sich von der Hauptdemonstration zum anarchistischen Block, weil dieser viel lebhafter war.

2.) Anarchistischer Block beim Tschernobyl Jahrestag am 26.04.07 in Minsk
Autonome Aktion Minsk, 08.05.07, Übersetzung: Schwarze Katze

Als die Tschernobyl Demonstration um 18 Uhr in Minsk auf dem Yakub-Kolsa-Platz starten wollte, wurde sie von der Polizei blockiert.

Die Behörden waren so vom Protest ihrer Untergebenen erschreckt, dass diese sich nicht auf dem größten Platz der Stadt zusammenfinden durften. Die U-Bahn Stadion "Yakuba Kolossa Platz" war ebenso geschlossen, wie die Busse ihre Haltestellen umfahren mussten – dies war natürlich ein Ärgernis für alle Anwohner. Um 18.30 Uhr begann eine Kundgebung in der naturwissenschaftlichen Akademie, welche an diesem Ort von den Behörden erlaubt wurde.

Liberale Oppositionsgruppen (MF, "Bunt", BNF, OGP) waren mit ihren üblichen Flaggen und Parolen anwesend. Die Anarchisten hatten wie üblich ihren abgesonderten Block in der Nähe der Straße am Platz und ihre schwarz-roten Fahnen wehten.

Während der Kundgebung terrorisierte die Polizei die anwesenden Personen durch einen Lautsprecherwagen. Sie verbreiteten die Fehlinformation, das Treffen sei "illegal" und es solle aufgelöst werden. Falls sich die Personen nicht an diese Anweisung hielten, würde "körperliche Gewalt und spezielle Waffen benutzt". Jedoch haben die Leute längst gelernt mit diesem psychischen Druck umzugehen, denn es war nicht das erste Mal, dass die weißrussischen Behörden ihn benutzten, und niemand wurde eingeschüchtert.

Um 19 Uhr bewegte sich die Demonstration in Richtung Bangalore-Platz. Ungefähr 80 Leute hielten sich im anarchistischen Block auf, doch bedauerlicherweise schien der anarchistische Block zu aufgelockert und unorganisiert. Alle Anarchisten trugen Binden mit dem Zeichen der radioaktiven Strahlung. Dies ließ sie organisierter auftreten und diente dazu, die Demonstranten nicht unterscheiden zu können.

Auf der Demonstration wurden folgende Parolen von Seiten der Anarchisten gerufen:

"Es gibt keine friedliche Atomkraft, das weiß doch jedes Kind", "Kein zweites Tschernobyl", "Keine Reaktoren!" "Keine Reaktoren, keine Strahlung!".
Außerdem traditionelle anarchistische Parolen:
"Gummigeschosse und Tränengas, ein Geschenk vom Präsident für die Arbeiterklasse"
"Hebt die schwarze Fahne höher, der Staat ist der Hauptfeind!"
"Brennt die Mächtigen nieder!"
Die Parolen wurden von Trommelschlägen begleitet.

In der Surgeon Straße provozierte OMON einen kleinen Kampf. Am Rande der Demonstration befahl die Polizei mit ihren Lautsprecherwagen den Menschen, sie dürften den Bürgersteig nicht verlassen um auf die Straße zu gehen. Da sich jedoch 5.000-6.000 Demonstranten einfanden, war die Einhaltung dieser Aufforderung nicht möglich. An manchen Stellen griffen die Behörden gemäß ihres Versprechens zu "körperlicher Gewalt", außerdem verschossen sie eine kleine Menge Tränengas. Auf den Bannern der Anarchisten waren folgende Sprüche zu lesen:

"Hände weg von den Unterstützungsleistungen für Tschernobyl Opfer"
"Nicht gefährlich? Baut den Scheiß unter euren Häusern!"
"Atomkraft kann nicht friedlich sein"
"Nicht noch ein Tschernobyl"
"Nur Tote haben keine Angst vor Strahlung" und "Für alternative Energie".


Die Anarchisten hinterließen außerdem eine kleine Nachricht auf einer Polizeikarre.

Am Ort des offiziellen Treffens nach der Demo standen wir mehr als 10 Minuten. Wir verteilten Flugblätter.
Der KGB kesselte uns ein, aber als wir uns gut organisiert fortbewegten, gelang es ihnen nicht einen einzigen von uns zu ergreifen.

Die Stärke der Anarchisten bestand im lebhaften Verhalten und Auftreten, welche ihnen half sich auf positive Weise vom Rest der Demo zu unterscheiden. Unsere Slogans waren auch aktueller und Themenbezogener als das "Lang lebe Weißrussland" der liberalen demokratischen Opposition. Ich hatte den Eindruck, dass sie nichts anderes schrieen. Viele junge Leute begaben sich von der Hauptdemonstration zum anarchistischen Block, weil dieser viel lebhafter war.

Unser Fehler war, dass wir zu zerstreut waren und uns gutes öko-anarchistisches Informationsmaterial fehlte.

Im Allgemeinen war unsere Rolle freilich wichtig und wir taten unser Bestes. Die Hauptsache ist, nicht auf dem aktuellen Stand der Organisierung stehenzubleiben, sondern uns vorwärts zu bewegen und soziale und ökologische Probleme in Verbindung mit Tschernobyl anzusprechen.

Wir sollten es den bürokratischen Parteien nicht überlassen, die Tschernobyl Demonstration in einen langweiligen Marsch zu verwandeln. Dieser Tag bedeutet für uns eine Erinnerung an die Verantwortung gegenüber der Natur und zu zeigen, dass ein Leben in Harmonie mit der Umwelt mit den Bedingungen des Kapitalismus, in dem der Profit mehr zählt, als das menschliche Leben und die Natur, nicht möglich ist.

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