Austritt aus FdA und LGD
Hiermit möchte ich meinen Austritt aus LGD und FdA-IFA erklären. Das wird einige nicht ganz überraschen, soll aber im Folgenden begründet werden. Zunächst möchte ich sagen, dass dieser Schritt nach reiflicher Überlegung gefasst wurde. Es ist so, dass ich mittlerweile, bei genauer Betrachtung der Dinge, zu einer anderen Sichtweise gekommen bin. Ich bin einmal mit der Vor-stellung aufgewachsen, es gebe nur eine grundsätzliche Sicht und nur eine Wahrheit. Dem ist nicht so. Und wer im Bereich von Ideologie, Politik und Ökonomie glaubt, den „Stein der Weisen“ gefunden zu haben, der sollte sich dessen nicht allzu sicher sein. Was meinen politischen Standort betrifft, so bezeichne ich mich heute nicht mehr als Anarchist, so wie in der Zeit vor meinem Austritt aus der alten Partei DIE GRÜNEN in den 80er Jahren - damals gab es noch die Landes-AG „Anarchie/Basisdemokratie bei den Grünen NRW“ - und später im Umfeld der Zeitung „Graswurzelrevolution“. Und noch später dann in der Ökologischen Linken.
Ich bezeichne mich nicht mehr als Anarchist, sondern vertrete nunmehr eine freiheitliche und fundamentale öko-logisch-soziale Orientierung. Ähnlich wie bei Murray Bookchin, der seinen politischen Lebensweg als Marxist be-gann, zum Anarchisten wurde und sich in seinem letzten Lebensjahrzehnt vom Anarchismus abwandte, so führt auch mein politischer Weg von klassischen anarchistischen Vorstellungen, wie sie auch im FdA vertreten sind, weg. Wobei Bookchin’s Vorstellungen für mich nicht die idealen Lösungen darstellen .Mensch kann sich auch an-ders in Richtung Basisdemokratie bzw. in Richtung Direkte Demokratie und dezentrale Strukturen hin orientieren, ohne sich als Anarchist zu bezeichnen oder einer zu sein. Zudem glaube ich, dass ich auch nicht mehr in die anar-chistische Bewegung passe, da sich mein Denken zunehmend verändert und verändert hat, was sich in den folgen-den Zeilen zeigen wird. Auch muss ich sagen: Mir ist dieses Denken zu eng geworden.
Vorausschicken möchte ich, dass ich heute starke Zweifel daran habe, ob die anarchistische Philosophie am Ende wirklich in einen Zustand gesellschaftlicher Freiheit führen kann und wird. Im Gegensatz zu heute, war das für mich in früheren Zeiten keine Frage gewesen. Bei Licht betrachtet, gab und gibt es, was die historischen Realitäten angeht, keine wirklichen funktionierenden Beispiele einer anarchistischen Gesellschaftsordnung. Die gibt es wohl leider nur in der Theorie und nur nach der reinen Lehre und ist rein hoffnungsorientiert. Politische und gesellschaftliche Versuche einer freiheitlichen Gesell-schaft ohne Staat und Kapital, nach anarchistischer Vorstellung, wie die „Freie Ukraine“ (1917-1921) und später im Spanien der 30er Jahre waren viel zu kurzlebig, um als erfolgreiche Beispiele gelten zu können. Dabei kann nie-mand sicher sagen, ob das spanische Experiment am Ende wirklich lebensfähig gewesen wäre. Ebenso kann nie-mand sagen, ob die „Freie Ukraine“ überlebt hätte, wenn nicht deren Zerstörung durch die leninistisch-trotzkis-tische Rote (Terror-)Armee stattgefunden hätte. Niemand kann mit Sicherheit sagen, ob diese Modelle nicht am Ende an aufbrechenden Widersprüchen und/oder an sich neu herausbildenden Herrschaftsstrukturen, wie sie von anarchistischer Seite abgelehnt werden, gescheitert wären. Der provencalische Anarchist Han Ryner, der kollekti-vistische und kommunistische Grundpositionen für sich nicht in Anspruch nahm und sie im Namen seiner Ethik und seines Humanismus ablehnt – er vertrat seine individual-anarchistische Grundposition – und die sich auf seine Ideen berufenden „Individualistas“, haben in den 30er Jahren das Scheitern der spanischen Revolution voraus ge-sehen. Vielleicht hätten diese Projekte am Ende einen ähnlichen Lauf genommen, wie die „neue Gesellschaft“ in George Orwells „Animals Farm“.
Mensch kann dies freilich als „spekulativ“ abtun, jedoch spekulativ ist es dann auch, zu behaupten, das Gegenteil funktioniere. Wie schon gesagt: Die funktionierenden Beispiele fehlen eben. Kriegen es die organisierten Anarch-ist(inn)en heutzutage doch auch nicht einmal realisiert, kontinuierliche organisatorische Arbeit zu leisten. Was dazu führt, dass sie als politische Bewegung marginal bleiben. Im Gegensatz zu anderen politischen Bewegungen. Wie soll es da zu einer alles verändernden und neu gestaltenden Revolution libertärer Prägung kommen? Die Geschichte wird daran vorbei ziehen.
Und weiter. Ich habe starke Zweifel daran, ob der Weg zu gesellschaftlicher Freiheit durch kollektivistische und/ oder kommunistische Vorstellungen, wie sie im Anarchismus präsent sind, erfolgreich gangbar ist. Das der Weg zu eben dieser gesellschaftlichen Freiheit nicht über angebliche „Alternativen“ möglich ist, wie sie der Marxismus propagiert, ist hinreichend bekannt und ist dabei bis zum Erbrechen aufgezeigt worden. Es ist kei-neswegs seltsam zu nennen, dass die staatssozialistischen Modelle immer zum gleichen Ergebnis geführt haben. Der gesamte rote Ostblock, plus China, Nord-Korea, Vietnam, Kambodscha, Albanien und so weiter, war ein Hort der Niedertracht, der Lügen, der Fälschungen, des Massenterrors und der Massenmorde. In diesen „Reichen der Menschheitsbefreiung“ und der Gleichheit aller KP-Bonzen, in dem die rote Sonne nicht unterzugehen schien, wur-den die entsetzlichsten Verbrechen begangen. Egal, ob es sich um den Terror Stalins, Maos verruchte Kulturrevolu-tion, Pol Pots Steinzeitkommunismus oder andere Schandtaten gehandelt hat. Es bleibt sich gleich, der Betrug fing schon vor 1917 an. Die großen Führer der Bolschewiken gaben vor, eine freie Arbeiterklasse zu schaffen, doch we-der Lenin noch Trotzki haben jemals eine Fabrik betreten und hatten nicht die leiseste Vorstellung von den realen Bedingungen, die für die Arbeiter damals über Knechtschaft und Freiheit entschieden haben. Sie erschufen eine Herrschaft über die Beherrschten, eine Diktatur über das Proletariat, wie die Marx-Jüngerin und Spartakistin Rosa Luxemburg es dem Diktator Lenin zu Recht vorwarf. Die angeblich so tollen Anfänge und „gesellschaftlichen Fort- schritte“ in den roten „Arbeiter- und Bauernparadiesen“ sind im Reich der Märchen anzusiedeln, jenseits der ge-schichtlichen Realitäten. Die Behauptung, diese seien alle „revisionistisch entartet“, ist eine Schutzbehauptung. Seltsam, dass die immer alle „entarten“. Das einzige was wirklich entartet ist, sind die leninistischen, trotzkistisch-en, stalinistischen und maoistischen Menschheitsbeglücker – wie ihre braunen Spiegelbilder auch. Jedes bestehende oder vorherrschende Kollektiv nimmt für sich Gerechtigkeit in Anspruch, und da jeder sich der Gerechtigkeit hinreichend befähigt glaubt, so glaubt er auch, dass ein System, worin ausgerechnet er die Macht hätte, gerecht genug wäre. Das ist die alte, ewige Versuchung. Die Menschen erliegen ihr fortwährend.
Es gibt auch keinen Grund anzunehmen, dass das künftig anders sein wird. Den heutigen Marxist(inn)en aus Links-partei/PDS, DKP, MLPD, KPD/ML-Fraktionen und trotzkistischen Gruppen zu vertrauen, kommt einem mittel- bis langfristigen politischen Selbstmord gleich. Dabei fürchte ich ernsthaft, dass anarcho-kollektivistische und anarcho-kommunistische Ideengestaltung, so schön diese auch erscheinen, in der politischen Umsetzung am Ende ein erneu-tes Entstehen solcher Systeme befördern wird und über diesen Weg sich wieder autoritäre und diktatorische staats-kapitalistische Herrschaftsgebilde, leninistisch-stalinistischen Typs, etablieren. Eine Befürchtung, mit der ich nicht alleine stehe. Mensch kann dagegen argumentieren, dass er/sie sagt, mensch müsse experimentieren. In diesem Fall drängt sich die Frage auf, wie viele Opfer die großen gewaltsam geführten Revolutionen, die alle im Namen der Emanzipation der Menschheit geführt wurden, und dann doch alle in ihr Gegenteil umgeschlagen sind, gekostet ha-ben. Reichen 120 Millionen Terroropfer der Menschheitsbeglücker aus? Da erschiene mir die Argumentation des Experimentierens als äußerst zynisch. Und haben nicht auch alle Revolutionen, die auch schon vor dem 20. Jahr-hundert stattgefunden haben, zu ihrem Gegenteil geführt? Haben sie nicht am Ende autoritäre Ergebnisse gezeitigt und neue negative Herrschaftssysteme hervorgebracht?
Wäre es anders, so lebten wir in einem „Paradies“. Ich halte es da mit der französischen libertären Syndikalistin Simone Weil. Sie schrieb in „Oppression et liberte“: „Descartes sagte, dass eine falsch gehende Uhr keine Aus-nahme von der Gesetzmäßigkeit der Uhr, sondern eine andere Sorte von Mechanismus darstelle, der seinen eigenen Gesetzen gehorche; ebenso muß man das stalinistische Regime betrachten, nicht als einen falsch gehenden Arbei-terstaat, sondern als einen sozialen Mechanismus anderer Sorte.“ In „La Condition ouvrirer“: „ … Die revolutionären Gefühle entspringen in der Mehrzahl der Auflehnung gegen Ungerechtigkeit, und als Aufstand gegen die soziale Ungerechtigkeit ist auch die Idee der Revolution gut und ge-sund. Als Auflehnung gegen das Unglück, welches gerade den Lebensbedingungen der Arbeiter eigentümlich ist, ist sie, die Revolution, ein Betrug. Denn keine Revolution wird dieses Unglück abschaffen.“ Und in „Condition pre-miere d’un travail non servile“ schreibt sie, dass zwar „das revolutionäre Gefühl bei der Mehrzahl die Aufleh-nung gegen die Ungerechtigkeit ist, doch wird es schnell bei den meisten, wie auch im historischen Fortgang, zu einem Imperialismus der Arbeiterschaft, der dem nationalen Imperialismus vollkommen gleicht. Denn er hat die völlig unumschränkte Herrschaft einer bestimmten Gruppe über die ganze Menschheit zum Ziel.“ Die Vorherr-schaft der einen oder der anderen gesellschaftlichen Schicht und die Bürokratie, die unweigerlich entstehen wird, sind Fakt und nicht ganz verhinderbar. Ich habe da keine Illusionen mehr. Anarchismus stellt keine Alternative zu ur-demokratischen Vorstellungen dar, weil Diktatur die Folge sein wird. Ein konsequenter Kampf gegen diktato-rische Kräfte und Tendenzen ist allerdings von Nöten, wie auch das Erstarken rechtsextremer Bewegungen und Par-teien heute wieder zeigt. Die Alternative heißt Basisdemokratie bzw. Direkte Demokratie, um die Vorherrschaft ge-sellschaftlicher Minderheiten zu begrenzen. Die Stärkung von „Bündnissen für Direkte Demokratie“ ist notwendig.
In „Prinzipienerklärung und Statut“ des FdA, wie auch in der „Prinzipienerklärung der LGD im FdA/IFA“, wird betont, dass es einerlei sei, auf welche Weise der Weg zum Ziel der herrschaftslosen Gesellschaft gegangen wird. Hierzu muss gesagt werden, dass diese Festlegung für alle Richtungen, die es im FdA gibt, gelten mag. Hier fällt eine fundamental-ökologische Position heraus, weil eine solche Position keine Kompromisse machen kann. Dazu ist die ganze ökologische Problematik in ihren Auswirkungen viel zu wichtig und zu ernst, geht es doch hier zielendlich um das Überleben des ganzen Planeten. Es ist keineswegs so, dass sich die unterschiedlichen Richtungen im FdA für das Ziel einer grünen Erde einsetzen werden und können. Nicht im FdA – und schon gar nicht in der FAU.
Wenn überhaupt, dann geht es hier vielleicht um ein bisschen Umweltschutz, aber kaum um eine fundamentale öko-logische Wende, wie sie eben mit fundamental-ökologischen Grundpositionen erreicht werden kann. Und das ist mir entschieden zu wenig. Hat mensch im FdA doch auch schon das hirnverblödete Argument gehört, es gebe gar keine Natur.
Vermutlich ist das auch keine Einzelmeinung in diesem politischen Zusammenhang. Allenfalls sind es Einzelperso-
nen aus dem heutigen anarchistischen Spektrum, die sich gegen Naturzerstörung wenden. Zudem, so mein Eindruck, stehen die meisten Gruppen und Richtungen im heutigen deutschsprachigen Anarchismus nicht in Opposition zur Ideologie des unbegrenzten Wachstums. Ebenso wenig die marxistische Linke.
Wer aber die Ursachen der Zerstörung von Natur und sozialer Zusammenhänge analysiert, der kommt nicht umhin, die Ideologie des unbegrenzten Wachstums der Wirtschaft als ursächlich anzusehen. Deren Charakter ist völlig zer-störerisch und unfreiheitlich, wobei es nicht nur um das Diktat des großen Geldes geht. Kritik am Kapitalismus als alleinige Ursache der Probleme greift hier zu kurz. Nicht nur das profitsüchtige Verhalten einzelner Kapitaleig-ner(inn)en, Banken und multinationaler Konzerne ist die alleinige Ursache der Zerstörung des Astes, auf dem wir alle sitzen.
Freiheitlich-ökologische Positionen und solche, die sich nicht klar und deutlich gegen die natur- und menschen-feindliche Ideologie des unbegrenzten Wachstums der Wirtschaft wenden, stehen nicht auf gleicher Ebene mit den im FdA vertretenen Richtungen oder mit einer FAU. Und für mich damit auch nicht in völlig gleicher Zielsetzung.
All jene, die glauben, mit der „Befreiung der Arbeiterklasse“ seien alle Probleme aus der Welt, übersehen dabei allzu leicht, dass gerade die von ihnen so hoch verehrten „Proletarier“ es sind, die es überhaupt nicht interessiert, was aus dem Ast wird, auf dem wir alle sitzen. Die kümmert es nämlich einen Dreck, dass das ökonomische Sys-tem, für das sie tätig sind, die Erde und somit die natürlichen Lebensgrundlagen zerstört. Ganz egoistisch interes-siert sie, von Ausnahmen abgesehen, nur ihr persönlicher Vorteil, auf Kosten nachfolgender Generationen und eben auf Kosten der Natur. Abgesehen davon, dass sie nicht einmal dazu bereit sind, wenn es eng wird, untereinander Solidarität zu praktizieren. Der Untertan fühlt sich in seiner Rolle eben gut aufgehoben. Und dafür gab und gibt es endlos viele Beispiele. Die internationale Solidarität der Arbeiterklasse hat sich am Ende noch immer als Illusion erwiesen. Abgesehen davon, dass den Arbeitern oder den Lohnabhängigen in der Regel die Gedanken libertärer Persönlichkeiten, die eine emanzipatorische Ökonomie propagiert und ökonomische Unabhängigkeit als Voraus-setzung für politische Freiheiten angesehen haben, nicht nur fremd sind. Sie lehnen sie auch grundsätzlich ab. Und darüber hinaus ist die Kumpanei großer Teile der unteren und mittleren gesellschaftlichen Schichten mit den herr-schenden Eliten offensichtlich. Durch dieses heimliche und unausgesprochene „Bündnis“ gehen konkret der indus-trielle Raubbau an der Natur und der überschießende Ressourcenverbrauch weltweit und ungebremst weiter. Sie stehen zum Industriealismus und tun so, als hätten sie eine zweite Erde in der Jackentasche. Nur so viel zur Arbei-terklasse und zu deren Vergöttlichung durch das „kritische“ linke Spektrum. Es kann nicht Aufgabe freiheitlich-ökologischer Richtungen sein, das mit zu tragen bzw. ständig zu entschuldigen.
Auch die von Linken, Anarchist(inn)en und manchen Liberalen und Konservativen verabscheuten freiheitsfeind-
lichen Kollektiv-Ideologien Nationalismus, Faschismus und Rassismus werden in den mittleren und in den unteren gesellschaftlichen Schichten mit Inbrunst verinnerlicht und hochgehalten. Letztere verehren mehrheitlich die Nation und halten sich dabei für besser als der Rest der Welt. Ausnahmen bestätigen auch hier die Regel und auch den Trend.
Es ist Unfug, solche Menschen aus den genannten gesellschaftlichen Schichten als „arme Opfer der Verhältnisse“
oder als „getäuschte und verführte Menschen“ darzustellen. Das ist eine unrealistische Sichtweise und „wurmt“
mich schon länger. Vielen solcher Menschen macht es sogar große Freude, auf „den Anderen“ herumzutrampeln
und sich zu Herren des Schicksals der von ihnen erniedrigten „Andersartigen“ aufzuspielen.
Aber weiter. Ich halte es unter den gegebenen Umständen für besser, mit fundamental-ökologischen Grundpositio- en aus FdA und LGD zu gehen. Vielmehr soll verstärkt mit allen zusammengearbeitet werden, die sich ebenfalls für ökologische, soziale und freiheitliche Ziele einsetzen wollen. Mit allen Menschen, die in der Bewegung gegen die Atomenergie, in der neuen Klima-Bewegung, in der Bewegung gegen Gen-Technologie, gegen die Einschrän-kung der Freiheitsrechte und so weiter aktiv sind.
Weiter möchte ich herausstreichen, dass für mich das Existenzrecht des Staates Israel längst nicht mehr verhandel-
bar ist und bleibt. Bei genauer Beschäftigung der Geschichte des jüdischen Volkes und der Beschäftigung mit der Schande der Schoah, des arabischen und islamischen, wie des islamistischen Vernichtungskampfes gegen die Schutzinstitution Staat Israel, steht es mir, gerade als einem Menschen, der zur Hälfte Deutscher ist, nicht zu, mich in dieser Frage gegen den jüdischen Staat zu stellen und mich als Richter über diesen aufzuschwingen. Als Anar-chist hat mensch aber gegen jeden Staat zu sein – ausnahmslos. Dazu sehe ich mich angesichts der politischen Re-alitäten auch in dieser Frage nicht mehr im Stande.
Zudem, denke ich, bin ich in dieser Frage schuldig genug geworden, da ich in eine Organisation, den maoistischen Kommunistischen Bund Westdeutschland (KBW) der 70er Jahre, als angehendes Mitglied aktiv unterstütz habe. Ei-ne Organisation, die in seinen politischen Auswirkungen anti-semitische Positionen vertreten hat, nämlich die ge-waltsame Beseitigung des Staates Israel und die Unterstützung der anti-jüdischen PLO. (Yassir Arafats Gönner, Förderer und Unterstützer war immerhin jener Groß-Mufti von Jerusalem, der mit dem deutsch-österreichichen Ju-denvernichter Adolf Hitler paktiert hat.) Ebenso die Palästina-Komitees, die damals durch den KBW gegründet und dominiert wurden. Aus einer „anti-imperialistischen“ Position und Gesinnung heraus, wurden Leute unterstüt-zt, die „die Juden ins Meer werfen“ und den Staat Israel „dem Erdboden gleich machen“ (PLO-Agitation) wollten.
Ich habe mich zu fragen, ob ich bei Demonstrationen mit Leuten auf einem Flugblatt stehen möchte, die anti-jü-dische Propaganda und Politik-Inhalte in ihrer Ideologie transportieren. Mit einer MLPD, KPD/ML und „Anti-Imps“, mit Leuten aus der Partei DIE LINKE, Teilen von ATTAC und so weiter. Will ich nicht mit den rechten Rassist(innen) zusammenarbeiten, so auch nicht mit denen, die auf der linken Seite beheimatet sind. Dieses, um meinen Standpunkt auch in dieser Frage zu erläutern. Da gäbe es noch mehr zu sagen, aber dazu reicht der Platz hier nicht aus.
Bin ich nun noch links? Eher jemand, der zum Teil auch linke Positionen vertritt, aber alternativ ökologisch-so-ziale Zielsetzungen vertritt. Dazu gehört auch das sich Einsetzen für Bürger- und Menschenrechte und die Unter- stützung von Bündnissen für Direkte Demokratie. Deshalb auch wird an anti-totalitären Haltungen festgehalten. Was die gesellschaftlichen Verhältnis betrifft, so geht es mir um oben und unten, nicht um rinks und lechts. Einiges was Lev Tolstoj oder Han Ryner gesagt haben, gilt für mich aber weiter, doch im Allgemeinen werden rechte und einige gängige linke Positionen als unökologisch und nicht erstrebenswert abgelehnt. Und was ist mit dem Kapita-lismus? Es ist richtig, ungerechte Verteilungsstrukturen anzugehen, weil ein Großteil menschlichen Leidens die Folge wirtschaftlicher Benachteiligung ist. Dabei ist es nicht nur notwendig, sich gegen egoistische Ausbeutungs-bestrebungen bestimmter Interessensgruppen zu wehren und durchzusetzen. Durch eine öko-soziale Politik und durch die Bündelung von organisiertem alternativen gesellschaftlichem Widerstand kann es möglich werden, die Verhältnisse ins Positive zu verändern. Nicht mehr durch irgendwelche -Ismen, seien es Anarchismus, Sozialimus, Kommunismus – und schon gar nicht durch irgendwelche -Ismen aus dem rechtsextremen Bereich. Es ist für mich klar, dass ich dem „Heiligen Krieg der Ideologien“ nicht mehr zur Verfügung stehe. Dieser hat den Mensch-en nichts Gutes gebracht, sondern sie zu allen Zeiten gegeneinander ausgespielt und ihnen auf ganzer Linie gescha-det. Die Alternative kann nur in einer ideologiefreien Politik bestehen. Notwendig ist es, für eine Gesellschafts-ordnung einzutreten, die weder nur sozialistisch noch kapitalistisch ausgerichtet ist, sondern die Hinwendung zu einer öko-sozialen Gleichgewichtswirtschaft.
Das sind einige der Gründe, die mich dazu bewogen haben, diesen Schritt zu tun. Daneben gibt es noch mehr zu sa-gen, was ich an dieser Stelle aber nicht tun möchte, da dies sonst den Rahmen sprengen würde. Sie betreffen man-che linke Lebenslügen, mit der Linke in diesem Lande gerne und gut leben. Die einen, weil sie es nicht besser wis-sen, die anderen, weil sich damit ihre künstlichen Luft- und Lügenschlösser besser aufrechterhalten lassen.
Für die Menschen, die sich freiheitlich und fundamental-ökologisch organisieren wollen, wird es ökosoli geben. Wer so aktiv sein will, der/die betreibt hier Initiativenarbeit und strebt eine Zusammenarbeit in aktionsfähigen ver-netzten Strukturen an. Oder ist dort aktiv, wo es darüber hinausgeht. Der Phantasie soll keine Grenzen gesetzt wer-den und jeglichem Dogmatismus, egal in welcher Gestalt er auftritt, die rote Karte gezeigt werden. Die politische Arbeit in der Initiative ökosoli kann eine alternative Möglichkeit der Organisierung für Menschen, mit einem frei-heitlichen und fundamental-ökologischen Selbstverständnis sein und für jene, die das anstreben möchten. Mittels einer Satzung bleiben die Verehrer rechtsextremer und autoritärer dogmatisch-linker Vorstellungen ausgeschlossen.
Zum Selbstverständnis von ökosoli.
ökosoli ist eine auch an freiheitlichen Positionen orientierte (fundamental-) ökologische Initiative, die gegen sozi-ale Entrechtung, für individuelles Selbstbestimmungsrecht und gegen Naturzerstörung eintritt. Sie sieht sich in der Tradition vielfältiger liberaler, humanistischer, emanzipatorisch-libertärer und ökologischer Bewegungen. Es geht dabei, wie es der Name schon sagt, um Ökologie und Solidarität, um ÖKOLOGISCHE SOLIDARITÄT. Es geht dabei um nichts weniger, als um die Solidarität mit den Tieren, mit der Natur, den ökologischen Systemen und den künftigen Generationen. Mit (fast) allen Menschen auf der Welt.
Es ist an der Zeit andere Wege zu gehen – alternativ zum Bestehenden, mit einem fundamentalen ökologischen Selbstverständnis, fern aller Dogmen.
J S
"Vorausschicken möchte ich, dass ich heute starke Zweifel daran habe, ob die anarchistische Philosophie am Ende wirklich in einen Zustand gesellschaftlicher Freiheit führen kann und wird."